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Der Oberengadiner Ort St. Moritz soll eine Kindertagestätte für rund fünfzig Kinder erhalten.

Projektwettbewerb Kindertagesstätte in St. Moritz

Der Oberengadiner Ort St. Moritz soll eine Kindertagestätte für rund fünfzig Kinder erhalten.

Ausgangslage 

Der Oberengadiner Ort St. Moritz soll eine Kindertagestätte (KITA) erhalten, ausgelegt auf rund 50 Kinder und zwei bis drei Betreuende. Nachhaltiges, ökologisches Bauen im Minergie-Standard mit kostengünstigem Betrieb und Unterhalt sowie eine zeitgemässe Schulinfrastruktur bilden die vorgegebenen Grundlagen dieses Baus. Zudem soll die Möglichkeit einer einfach zu realisierenden Gebäudeerweiterung bestehen.

Städtebau 

Das Schulhausareal Grevas, an welches die KITA anschliessen soll, befindet sich in Seenähe in leichter Hanglage. Gegen Norden ist das Grundstück mehrheitlich eben; im Übergang zur südlich gelegenen Via Grevas fällt das Terrain stark ab. Der für die KITA vorgesehene Standort befindet sich südwestlich des Schuhausareals Grevas in weitgehend ebenem, südseitig jedoch stark abfallendem Terrain. Der gewählte Standort ist von den umliegenden Bauten her gut einsehbar: Im näheren Umfeld der KITA befinden sich Wohnhäuser aus den 80er- und 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts, das Schulhaus, ein Betonbau aus den 70er-Jahren, sowie die altehrwürdige Jugendstilbaute des Hotels 'Palace' – die jüngere Architekturgeschichte des Ortes wird insofern in Sichtweite abgebildet.

Architekturkonzept 

Aufgrund der Heterogenität der Umgebung will das vorgeschlagene Projekt nicht eine weitere Epoche einführen, sondern an die Bauhistorie der klassischen, ursprünglichen Steinhäuser des Engadins anknüpfen und diese modern deuten. Anknüpfungspunkt bilden die aussenseitig weiss gekalkten, mit Scraffitos verzierten Fassaden sowie die kleinen Fensteröffnungen mit tiefen, schrägen Leibungen. Der Innenraum ist gebrauchstauglich, auf das Wesentliche reduziert, ausgestattet, wobei die Arvenstube den Wohnraum prägt.

Das vorgeschlagene Projekt überzeugt zunächst durch seine schlichte Geometrie: Aussenseitig nimmt das eingeschossige, rechteckige Volumen das Bild der Arvenstube, dem Wandtäfer mit der Holzfüllung, auf. Der Innenraum dagegen wird gestaltet durch weisse Betonflächen, die an das massive, aus Stein gebaute Haus anschliessen.

Grosse, hohe Fassadenöffnungen sorgen für optimalen Tageslichteinfall; die nur 40cm hohen Brüstungen ermöglichen den Kindern den direkten Blickkontakt nach aussen und sind im Spielzimmer als durchgehende Sitz- und Arbeitsbänke gestaltet.

Die Innenräume werden durch Holzrahmen mit Glaseinsätzen abgetrennt. Dies soll die Durchsicht zwischen den verschiedenartig zu nutzenden Räumen ermöglichen und gleichzeitig Helligkeit und Transparenz gewährleisten. Für ausgeglichene Lichtverhältnisse im Inneren des Gebäudes sorgen zudem zwei Oblichter. Indirekte Lichtquellen gestatten einen flexibel gestaltbaren Innenraum So kann etwa im Speisesaal alternativ auch Unterricht durchgeführt werden, wofür sich indirekte Lichtquellen sehr gut eignen.

Konstruktion 

Der simplen Geometrie der Baute folgt die Einfachheit in der Konstruktion. Eine massive Bodenplatte wird direkt auf das bestehende Gelände gelegt. Die innenliegende Tragstruktur aus Sichtbeton wird darauf abgestützt und von einer massiven Betondeckte mit zwei Oblichtern abgeschlossen.

Farb- und Materialkonzept 

Die Tragstruktur ist zugleich Farb- und Materialkonzept. In einem Haus, das für Kinder gebaut wird, sind die Qualität der verwendeten Materialien, Farben und Oberflächen zentral. Ein Haus aus Stein und Holz gebaut schafft hier den nötigen Bezug. Zwei Arten von Bodenbelägen differenzieren den Innenraum: Arvenholzdielen werden im Spielzimmer und Aufenthaltsbereich ausgelegt; ein mineralischer Fliessmörtel findet sich in Erschliessungsbereich, Speisesaal und Nebenräumen.

Mitarbeit: Sara Cadonau